Montag, 31. Dezember 2007

Nimm mein Mixtape, Babe.

Hier der Versuch einer Best-Of-2007 Doppel-CD. Natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

CD1:
1. Modest Mouse: March Into The Sea
2. The Electric Soft Parade: If That's The Case, Then I Don't Know
3. Bloc Party: Uniform
4. Andrew Bird: Heretics
5. Maximo Park: Books From Boxes
6. Jack Penate: Got My Favourite
7. Field Music: Working To Work
8. Arcade Fire: Keep The Car Running
9. Flowerpornoes: Rock N' Roll
10. Paul Dimmer Band: Ersatz Für Dich
11. Destroyer: European Oils
12. Cold War Kids: Hang Me Up To Dry
13. Laura Veirs: Cast A Hook
14. The National: Fake Empire
15. Kilians: When Will I Ever Get Home
16. Okkervil River: Our Life Is Not A Movie Or Maybe
17. Stars: In Our Bedroom After The War
18. Ryan Adams: Oh My God, Whatever, Etc.

CD2:
1. Kings Of Leon: Knocked Up
2. Editors: Smokers At The Hospital Doors
3. Bright Eyes: Hot Knives
4. Radiohead: Bodysnatchers
5. Kante: Wer Hierher Kommt, Will Vor Die Tür
6. Patrick Wolf: The Magic Position
7. Wilco: Impossible Germany
8. Joe Henry: Parker's Mood
9. The Hives: Tick Tick Boom
10. Get Cape. Wear Cape. Fly: War Of The Worlds
11. Bruce Springsteen: You'll Be Coming Down
12. The Good, The Bad & The Queen: History Song
13. The Weakerthans: Virtute The Cat Explains Her Departure
14. Keren Ann: Lay Your Head Down
15. Smashing Pumpkins: Tarantula
16. Richard Thompson: Guns Are The Tongues
17. Windmill: Fluorescent Lights

Freitag, 28. Dezember 2007

Der Taschenmann.

Wirren der Sprache: Da gibt es irgendwo in Holland einen Mann, der Taschen verkauft, oder herstellt, oder einfach irgendwie auffällig ist aufgrund von Taschen. Sie nennen ihn: Taschenmann - Tasman. Dann heißt irgendwann seine Familie so und sein Urgroßenkel und wer nicht sonst noch alles und es gerät ganz in Vergessenheit, dass die Familie Tasman jemals was mit Taschen zu tun hatte. Jetzt sticht einer der Tasmans in See, landet in Australien und gibt einer Insel dort seinen Namen. Bis man wieder vergisst, dass man Tasmanien sagt nur wegen dieses Tasmans. Und dann - Treppenwitz der Geschichte - lebt da ein Tier auf Tasmanien, das man Teufel nennt. Der Räuber auf der Insel des Taschenmannes ist - ein Beuteltier.

Freitag, 7. Dezember 2007

Birgit Prinz und das Ende des Feminismus.

Frauenfußball war hier bei 104bgb schon einmal Thema, aber die Diskussion auch außerhalb des Blogs hält an, so dass ich hier mal wieder versuchen will, meine Thesen zu systematisieren. Der Grundgedanke lautet: In Sachen Frauenfußball wird hinsichtlich der Fernsehübertragung mit zweierlei Maß gemessen - und am Ende orientiert sich doch wieder alles an den Männern.

Der Reihe nach: Es ist zunächst mal bemerkenswert, dass der Sport, neben dem Toilettenhäuschen, der einzige gesellschaftliche Bereich zu sein scheint, bei dem strukturell nach Frauen und Männer getrennt wird. Das geht beim Sport genau so weit, wie eine durchgehende Unterlegenheit der Frauen im Spitzenbereich angenommen wird. Beispiel 100-m-Lauf: Es gibt weltweit Millionen Frauen, die die 100m schneller laufen können als Millionen Männer - im Spitzensport jedoch sind Männer konstant eine halbe Sekunde schneller als Frauen. Das lässt sich neutral bewerten als Körperbau-Vorteil für die Männer und kann insofern auch nicht kritisiert werden. Es sagt ja auch nichts über die Qualität des Sports aus, ist doch aufgrund des insofern angeglichenen Niveaus ein 100m-Finale der Frauen genauso spannend wie eines der Männer. Die Männer/Frauen-Trennung hört beim Sport im Übrigen konsequenterweise da auf, wo der Körperbau keine Rolle spielt - siehe Reit- und Motorsport.

Jetzt stellt sich die Frage: Welcher Sport wird im Fernsehen übertragen? Hier zeigt sich ein zumeist ausgeglichenes Bild: Bei der Leichtathletik werden Männer und Frauen gleich häufig gezeigt. beim Biathlon zum Beispiel auch, beim Tennis ebenfalls (da dauern nur die Matches bei den Männern meist länger). Bei manchen Sportarten jedoch werden Unterschiede gemacht: Manchmal sieht man nur die Männer (Beispiel Radsport), bei wieder anderen deutlich mehr Frauen (insbesondere Eisschnelllauf). Was ist also hier das Selektionskriterium? Mann vs. Frau kann es ja offenkundig nicht sein. Nun, es wird wohl, wie in Medien üblich, mit der Relevanz des Gegenstands zu tun haben: Eisschnelllauf der Männer hat (in Deutschland) nunmal keine Relevanz, weil die deutschen Männer seit Jahren der Weltspitze hinterher fahren, während die Frauen konstant erfolgreich sind. Warum soll das Fernsehen also ein Scheitern dokumentieren? Beim Radsport hingegen liegt der Fall etwas anders: Hier sind deutsche Frauen durchaus erfolgreich, aber dennoch wird Frauen-Radsport fast nie gezeigt. Haben wir sie also nun endlich gefunden, die Benachteiligung?

Ich vermute etwas anderes: Die Frage nach deutschen Erfolgen ist scheinbar nicht das einzige Selektionskriterium. Es gibt viele Sportarten, bei denen Deutsche erfolgreich sind, Frauen wie Männer, und die trotzdem im Fernsehen fast nie zu sehen sind (Paddel- und Rudersport würde mir einfallen oder Sportschießen). Worum geht es dann? Ich glaube es hat was mit dem Professionalisierungsgrad zu tun und mit dem tatsächlichen öffentlichen Interesse, wobei beides zusammenspielt: Der Professionalisierungsgrad des Sportschießens ist niedrig - das öffentliche Interesse ist gering - das Fernsehen überträgt nicht. Die Situation kann nun im Einzelfall auch so aussehen, dass der Professionalisierungsgrad im Männerbereich hoch ist - wie beim Radsport - und daher öffentliches Interesse für den insofern "guten Sport" vorhanden ist, während dieses im Frauenbereich nicht so ist. Es gibt auch den umgekehrten Fall: Nimmt man einmal den Eiskunstlauf, da gibt es auch Männer die diesen Sport betreiben, aber ihr Professionalisierungsgrad ist niedrig, bei den Frauen ist er hoch, ergo besteht öffentliches Interesse und Eiskunstlauf der Frauen wird übertragen.

Nun besteht meine These eben darin, dass diese Mechanismen beim Frauenfußball über den Haufen geworfen werden. Der Professionalisierungsgrad beim Frauenfußball ist sehr gering - in Deutschland ist keine Frau Profi-Fußballerin, es sei denn, sie spielt noch nebenbei in USA. Man erkennt das auch an den Wettbewerben: Die Frauenfußball-Bundesliga ist unausgeglichen, es gewinnen immer dieselben Teams, Spiele enden oft mit Kantersiegen. Auch international ist das zu beobachten: Bei der Frauen-Fußball-WM gewann Deutschland 11:0 gegen Argentinien, wobei insbesondere deren Torfrau den Eindruck erweckte, ihren Sport noch nicht allzulange auszuüben. Kaum vorzustellen, dass Argentinien sich in der Qualifikation zur WM gegen andere Mannschaften durchgesetzt haben soll. Solche Unterschiede gibt es eben in professionalisierten Sportarten nicht - beim Frauen-100m-Finale geht es ebenso wie bei den Männern um Hundertstelsekunden, beim Frauen-Tennis gibt es regelmäßig hochspannende Matches und unterschiedliche Siegerinnen.

Der oben beschriebene Mechanismus greift nun durchaus noch in Bezug auf das öffentliche Interesse, denn: Die Stadien sind leer. Die Frauenfußball-Bundesliga findet quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Für das Frauenfußball-Pokalfinale gelten auch die Karten des Männerfinales - trotzdem füllt sich das Stadion erst, wenn das Spiel der Frauen vorbei ist. Und doch: Das Fernsehen überträgt. Geringe Professionalisierung, geringes öffentliches Interesse, aber dennoch. Der Befund ist eindeutig: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Frauen-Radsport zeigt keiner, Männer-Eiskunstlaufen auch nicht, aber Frauenfußball gibt es stundenlang zur besten Sendezeit, gibt es auf der Titelseite der Bild-Zeitung, gibt es als erste Meldung in der Tagesschau.

Aber wieso? Mir scheint die einzige denkbare Erklärung zu sein: Weil es eben Fußball ist. Fußball dieser Sport, der wie kein zweiter auf einem Männerklischee aufbaut: Kurze Hosen, Kampf, Einsatz, Kameradschaft bei den Aktiven, Grölen, Saufen, tumbe Gefolgschaft bei den Zuschauern. So lautet die Botschaft: Fußball, eine klassische Männer-Domäne wird durchbrochen, Frauen spielen auch Fußball - und das auch noch erfolgreich. So sieht man dann die Waldi Hartmänner da stehen mit Gönnermiene: Unsere Mädels, die können was!

Entschuldigung, aber das ist Emanzipation auf Bierzelt-Niveau. Das ist Weiberfastnacht Reloaded. Ein alberner Penis-Witz. Das ist ein Mechanismus nach dem Motto: Jetzt dürfen aber auch mal die Frauen! Soll feministisches Denken sich darauf reduzieren lassen? Kann man sich das als Frau gefallen lassen? Taugt eine Birgit Prinz, die einen schwach professionalierten Sport ausübt, der normalerweise keinen Menschen interessiert zum Symbol für die Emanzipationsbewegung?

Ich finde: Das Gegenteil ist der Fall. Die Tatsache, dass Frauenfußball im Fernsehen übertragen wird, folgt einem präemanzipatorischen Argumentationsmuster und entspricht einem Denken, das sich strukturell von den Frühsiebzigern (als der DFB Frauen-Fußball noch verbat) nicht unterscheidet.

Montag, 3. Dezember 2007

"Ich oder das Chaos!"

... so lautet offenbar die Botschaft des russischen Präsidenten. Ob das so ist, ob auf Putin wirklich das Chaos folgen würde, lässt sich kaum beurteilen. Fakt ist: Vor Putin, da war das Chaos. Da war ein Alkoholiker, ein Busengrabscher an der Macht, aber immerhin, so fand der Westen, der war Demokrat. Ein lupenreiner vielleicht sogar. Und der konnte mit dem Bill Clinton und mit dem Helmut Kohl. Der Putin, der kann mit dem Schröder und ist allein deswegen schon verdächtig. Überhaupt: War der nicht beim Geheimdienst, der Putin? So ein richtig fieser KGB-Typ? Wie kann man nur so jemanden zum Präsidenten wählen? Gut, war auch mal einer CIA-Chef und anschließend Präsident, OK. Und weil er dann selber nicht mehr konnte, hat er seinen Sohn machen lassen, der war auch bei Skull & Bones. Nette Leute, lupenreine Demokraten auch.

Und jetzt die Wahlen: Da kriegt der Russe doch glatt ein halbes Weißbrot und ein Pfund Möhren, wenn er nur zur Wahl geht! Igitt! Hohe Wahlbeteiligung, bis ins hinterste Irkutsk, da pfeifen wir drauf, im Westen. Wir wollen kaputte Wahlautomaten! Und wir wollen, dass am Ende der gewinnt, der weniger Stimmen bekommen hat. So ist das im Rechtsstaat. Und überhaupt machen wir jede Woche Wahlen, die heißen dann "Sonntagsfragen". Weil das immer so schön aussieht, mit den Balken und den Torten und alles und da gibt's die CDU und die SPD und die anderen paar und dann ist alles gut.

Aber jetzt mal die Sache mit den Raketen: Ja, der Ami braucht nun mal auch Platz für seine Bomben! Und jeder weiß doch, dass man den Iran von Polen und Tschechien aus am besten treffen kann. Nur der Putin, der wollte das wieder nicht, der macht wieder nur Stunk. Der bietet plötzlich an, für den Ahmadineschad das Uran anzureichern. Die stecken doch unter einer Decke da! Der Mullah und der Ivan! Schlimm. Und wir müssen wieder die ganze Arbeit machen, da, im Irak und alles.

Und dann immer diese Propaganda! Da lässt der Putin doch echt Bilder von sich aufnehmen, die überhaupt gar nicht originär mit seiner alltäglichen Arbeit zu tun haben! Putin auf nem Pferd, Putin im U-Boot, Putin mit Pistole am schießen. Schrecklich. Jeder weiß doch, dass die Merkel eigentlich immer an der Ostsee im Strandkorb sitzt. Und die Eröffnung von Schrebergartenanlagen zählt überhaupt zum Hauptaufgabenbereich eines jeden Bundeskanzlers. Und dunkelhäutige Kinder umarmen, dass muss ja schließlich auch einer machen. Das ist Symbolische Politik, das gehört dazu.

Aber, wie gesagt, schlimm. der Putin. Dann hat der zig Zeitungen zumachen lassen, damit die übrigen nur noch schreiben, was der will. Bei uns ist das viel besser, da hat Springer eine Beteiligung an den grünen Postboten, da wollen die lieber keinen Mindestlohn, und da sagt die große Regierungspartei dann gerne auch nein. Da sagt also dann die Presse, was die Regierung machen soll. Ist wie gesagt super hier, mit der Pressefreiheit. So wie in USA, da gibt es echte investigativ ermittelnde vierte Gewalten, so FOX-News und die alle. Da zittert der Bush nur so, wenn der das hört.

Was wir im Westen wollen, das sind so schöne bunte Revolutionen, wie in der Ukraine oder in Georgien. In Georgien, da haben sie damals den Schewardnadse abgesetzt, der hatte mit Kohl und Gorbi noch die Einheit abgesegnet, aber das war dann egal. Und jetzt der neue in Georgien, der hat ja scheinbar alles im Griff. Genau wie die in der Ukraine, was geht es da vorwärts. Da gab es ja den guten Juschtschenko und den bösen Janukowitsch, aber dann war der eine nachher Präsident und der andere Premier, aber das haben die dann nicht mehr so genau gemerkt, im Westen. Und wer jetzt da die Frau mit den geflochtenen Zöpfen nochmal ist, weiß man auch nicht mehr so richtig und ob da an den Korruptionsvorwürfen neulich eigentlich was dran war.

Und dann haben die Russen ja da ihren Schachweltmeister, den Kasparow. Da haben 80 % der Russen wahrscheinlich noch nie von gehört, dass der jetzt in Politik macht, aber das sind ja wieder die Medien schuld. Der Kasparow, der war bei Beckmann und hat erzählt wie schlimm das alles ist in Russland und immer muss der ins Gefängnis. Und demnächst liegt der wahrscheinlich vergiftet irgendwo in London oder mit ner Kugel im Kopf in St. Petersburg. Dabei war der so nett, bei Beckmann!